Tränendes Auge: Ursachen und Hausmittel zur Linderung
Ständig tränende Augen sind unangenehm und im Alltag belastend — ständiges Wischen, verschmierte Brille, gereizte Haut unter den Augen. Die Ursache ist dabei oft überraschend: Nicht selten steckt gerade Trockenheit dahinter. Das Auge reagiert auf die gereizte Oberfläche mit einem Schwall Reflextränen, die das Problem allerdings nicht lösen.
Das Tränenparadox: trockene Augen, die tränen
Um zu verstehen, warum trockene Augen paradoxerweise tränen, hilft ein Blick auf die verschiedenen Tränenschichten. Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer äußeren Lipidschicht (Fettschicht), einer wässrigen Mittelschicht und einer inneren Muzinschicht (Schleimschicht). Die Lipidschicht wird von den Meibom-Drüsen am Lidrand produziert und verhindert, dass der Tränenfilm zu schnell verdunstet.

Ist die Lipidschicht gestört — etwa durch eine Meibom-Drüsen-Dysfunktion oder eine Lidrandentzündung —, reißt der Tränenfilm vorzeitig auf. Die freigelegte Augenoberfläche sendet Reizimpulse, und die Tränendrüse antwortet mit einem Schwall wässriger Reflextränen. Diese Reflextränen sind aber anders zusammengesetzt als der stabile Basistränenfilm: Sie enthalten wenig Muzin und Lipid, laufen schnell über den Lidrand ab und befeuchten die Oberfläche kaum nachhaltig. Das Ergebnis: Das Auge tränt, bleibt aber trocken.
Weitere Ursachen für tränende Augen
Reize von außen
Wind, Kälte, Zugluft, Rauch, Staub und starkes Licht lösen Reflextränen aus. Das ist eine normale Schutzreaktion, die aufhört, sobald der Reiz entfällt. Im Winter und bei Fahrradfahren ohne Brille ist das besonders häufig.
Allergien
Bei einer Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare tränen die Augen oft zusammen mit Juckreiz, Rötung und Niesreiz. Mehr dazu im Ratgeber Augenallergie-Tropfen.
Verengte oder blockierte Tränenwege
Der Tränenabfluss führt vom inneren Augenwinkel über den Tränensack in den Tränennasengang und schließlich in die Nase. Ist dieser Weg verengt oder blockiert, staut sich die Tränenflüssigkeit und läuft über den Lidrand. Diese Epiphora (Tränenträufeln) betrifft vor allem ältere Menschen, bei denen sich die Tränenwege mit der Zeit verengen, und Säuglinge, bei denen der Tränennasengang bei der Geburt noch nicht vollständig geöffnet ist.
Bei Erwachsenen kann eine Tränenwegssondierung oder in hartnäckigen Fällen eine operative Anlage eines neuen Abflusswegs (Dakryozystorhinostomie) helfen. Bei Babys löst sich das Problem in den allermeisten Fällen im ersten Lebensjahr von selbst.
Lidfehlstellungen
Ein nach innen gedrehtes Lid (Entropium) lässt die Wimpern auf der Hornhaut scheuern und löst starkes Tränen aus. Ein nach außen gedrehtes Lid (Ektropium) verhindert den ordnungsgemäßen Tränenabfluss. Beide Formen sind operativ korrigierbar.
Hausmittel und Maßnahmen
- Zugluft und Reize meiden, bei Wind eine Brille oder Sonnenbrille tragen.
- Bewusstes Blinzeln und regelmäßige Bildschirmpausen — vor dem Monitor sinkt die Blinzelrate auf ein Drittel des Normalwerts.
- Bei Trockenheit als Ursache befeuchtende Tropfen — sie stabilisieren den Tränenfilm und beruhigen so das Reflextränen. Weitere Alltagstipps finden Sie im Ratgeber Hausmittel bei trockenen Augen.
- Warme Kompressen (feuchtwarme Wattepads oder Gelmasken für ca. 10 Minuten) verflüssigen das Sekret der Meibom-Drüsen und verbessern die Lipidschicht des Tränenfilms.
- Tränensackmassage: Bei verengten Tränenwegen kann eine sanfte Massage des Tränensacks (zwischen innerem Augenwinkel und Nasenrücken, von oben nach unten) den Abfluss unterstützen. Die Technik sollte eine Ärztin zeigen.
- Kühle, saubere Kompressen bei akut gereizten, geschwollenen Augen.
- Raumluft befeuchten in der Heizperiode und regelmäßig lüften.
Wann zum Arzt?
Wenn ein Auge dauerhaft und einseitig tränt, sich wiederholt verklebt, schmerzt oder die Sicht leidet. Auch bei Verdacht auf verengte Tränenwege, wiederkehrende Entzündungen des Tränensacks (Dakryozystitis — Schwellung und Rötung am inneren Augenwinkel) oder wenn Hausmittel über mehrere Wochen keine Besserung bringen, ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Beratung.
Häufige Fragen: Tränendes Auge: Ursachen und Hausmittel zur Linderung
Warum tränt mein Auge, obwohl es trocken ist?
Ein instabiler Tränenfilm reizt die Augenoberfläche, worauf das Auge reflexartig mit einem Schwall wässriger Tränen reagiert. Diese Reflextränen befeuchten aber schlecht. Ein stabiler Grundfilm durch befeuchtende Tropfen kann den Reiz und damit das Tränen verringern.
Welche Hausmittel helfen bei tränenden Augen?
Zugluft und Reize meiden, Bildschirmpausen, bei Wind eine Brille tragen und die Augen nicht reiben. Bei Trockenheit als Ursache helfen befeuchtende Tropfen. Kühle Kompressen können begleitend beruhigen.
Warum tränen die Augen bei Babys?
Bei Säuglingen ist ein verengter oder noch nicht vollständig geöffneter Tränennasengang die häufigste Ursache für tränende Augen. Etwa 5 bis 6 Prozent aller Neugeborenen sind betroffen. In den meisten Fällen öffnet sich der Gang im ersten Lebensjahr von selbst. Die Kinderärztin kann eine sanfte Tränensackmassage zeigen und bei Bedarf weiterführende Maßnahmen einleiten.