Trockene Augen: Hausmittel und Alltagstipps, die helfen
Nicht jede Trockenheit braucht sofort Tropfen. Oft lässt sich mit einfachen Alltagsmaßnahmen viel erreichen – begleitend zu befeuchtenden Augentropfen oder als erste Schritte, bevor Medizinprodukte nötig werden.
Die 20-20-20-Regel bei Bildschirmarbeit
Wer viel am Bildschirm arbeitet, blinzelt deutlich seltener. Statt der üblichen 10 bis 15 Lidschläge pro Minute sind es bei konzentrierter Arbeit oft nur 4 bis 6. Die Folge: Der Tränenfilm reißt auf, die Augen werden trocken und gereizt.
Die 20-20-20-Regel schafft einfache Abhilfe: Alle 20 Minuten blicken Sie für 20 Sekunden auf einen Punkt in mindestens 6 Metern Entfernung. In dieser Pause blinzeln Sie bewusst mehrfach. Das allein reicht oft, um die Befeuchtung zu verbessern und Beschwerden vorzubeugen. Wer dazu neigt, die Pausen zu vergessen, kann sich einen Timer stellen oder eine entsprechende App nutzen. Weitere Tipps speziell für den Arbeitsplatz finden Sie im Ratgeber Bildschirmarbeit und trockene Augen.
Warme Lidkompressen – Schritt für Schritt
Bei vielen Betroffenen sind die Meibom-Drüsen am Lidrand verstopft. Diese Drüsen produzieren die fetthaltige Schicht des Tränenfilms, die das Verdunsten der Tränenflüssigkeit bremst. Warme Kompressen können das Sekret verflüssigen und die Drüsen wieder öffnen.
So gehen Sie vor:
- Tränken Sie einen sauberen Waschlappen in warmem Wasser (ca. 40 °C – angenehm warm, nicht heiß).
- Legen Sie den Waschlappen für 5 bis 10 Minuten auf die geschlossenen Augen. Wärmen Sie ihn bei Bedarf nach.
- Massieren Sie anschließend die Lidränder sanft mit kreisenden Bewegungen vom inneren zum äußeren Augenwinkel.
- Wiederholen Sie die Anwendung ein- bis zweimal täglich, idealerweise morgens und abends.
Wer die Kompresse regelmäßig anwendet, bemerkt oft nach ein bis zwei Wochen eine Besserung. In der Apotheke gibt es auch spezielle Augenmasken, die die Wärme länger halten als ein feuchter Waschlappen.

Luftfeuchtigkeit und Raumklima
Trockene Heizungsluft im Winter und klimatisierte Räume im Sommer sind Gift für den Tränenfilm. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent ist ideal. Folgende Maßnahmen helfen:
- Luftbefeuchter: Verdunster auf der Heizung sind ein einfacher Einstieg. Elektrische Ultraschall- oder Verdampfungsgeräte lassen sich gezielt steuern und über ein Hygrometer kontrollieren.
- Regelmäßig lüften: Kurzes Stoßlüften bringt frische, meist feuchtere Luft ins Zimmer.
- Zimmerpflanzen: Pflanzen wie Zyperngras oder Papyrus verdunsten Wasser und tragen messbar zur Raumfeuchte bei.
- Zugluft vermeiden: Ventilator, Klimaanlage oder Autogebläse sollten nicht direkt ins Gesicht gerichtet sein.
Ernährung und Omega-3-Fettsäuren
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt den gesamten Körper – auch die Augen. Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Seefisch (Lachs, Makrele, Hering), Leinöl und Walnüssen vorkommen, können die Lipidschicht des Tränenfilms stabilisieren und entzündliche Prozesse in der Augenoberfläche dämpfen. Auch Vitamin A (etwa aus Karotten, Süßkartoffeln oder Leber) spielt eine Rolle für die Gesundheit der Augenoberfläche.
Trinken Sie außerdem ausreichend – mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich. Der Körper braucht Flüssigkeit, um die Tränenproduktion aufrechtzuerhalten.
Schlafqualität und trockene Augen
Im Schlaf regeneriert sich die Augenoberfläche. Wer schlecht oder zu wenig schläft, gibt dem Auge weniger Zeit zur Erholung. Achten Sie auf 7 bis 8 Stunden Schlaf und darauf, dass das Schlafzimmer nicht zu stark beheizt ist. Ein leicht geöffnetes Fenster und eine angemessene Luftfeuchtigkeit können helfen. Bei manchen Menschen schließen die Lider im Schlaf nicht vollständig (Lagophthalmus) – hier kann ein Augengel zur Nacht sinnvoll sein.
Was Sie besser lassen
Reiben Sie die Augen nicht – das reizt die ohnehin strapazierte Oberfläche zusätzlich und kann Entzündungen begünstigen. Von selbst gemischten „Augenspülungen” mit Kamillentee oder Salzwasser ist abzuraten: Unsterile Lösungen können Keime ins Auge bringen. Für die Augenspülung gibt es geeignete, sterile Produkte aus der Apotheke.
Wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen
Alltagsmaßnahmen sind ein wichtiger Baustein – sie ersetzen aber keine ärztliche Behandlung, wenn die Trockenheit stark ausgeprägt oder chronisch ist. Halten die Beschwerden trotz konsequenter Anwendung der genannten Tipps und begleitender befeuchtender Tropfen länger als zwei Wochen an, sollten Sie die Ursache augenärztlich abklären lassen. Das gilt besonders bei Schmerzen, Rötung, Sehstörungen oder eitrigem Ausfluss.
Häufige Fragen: Trockene Augen: Hausmittel und Alltagstipps, die helfen
Helfen warme Kompressen bei trockenen Augen?
Bei trockenen Augen infolge verstopfter Liddrüsen (die häufige Ursache) können warme Kompressen und eine sanfte Lidrandmassage die fetthaltige Schicht des Tränenfilms verbessern. Bei geröteten, infektiösen Augen sind eher kühle Kompressen angebracht.
Kann Trinken gegen trockene Augen helfen?
Ausreichend zu trinken unterstützt den Flüssigkeitshaushalt und damit auch den Tränenfilm. Es ersetzt bei ausgeprägter Trockenheit aber keine befeuchtenden Tropfen.
Helfen Omega-3-Fettsäuren bei trockenen Augen?
Studien deuten darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren – etwa aus fettem Seefisch, Leinöl oder Nahrungsergänzungsmitteln – entzündungshemmend wirken und die Lipidschicht des Tränenfilms verbessern können. Eine gesicherte Therapie ersetzen sie nicht, aber als Teil einer ausgewogenen Ernährung können sie unterstützend wirken.