Bindehautentzündung: Hausmittel zur begleitenden Linderung
Eine Bindehautentzündung ist oft harmlos, aber unangenehm: Das Auge brennt, juckt, ist gerötet und verklebt morgens. Sanfte Hausmittel können die Beschwerden begleitend lindern – sie ersetzen bei einer echten Infektion jedoch keine ärztliche Behandlung. Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, was wirklich hilft, was Sie besser lassen sollten und wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei eitrigem Sekret, Schmerzen oder Sehverschlechterung suchen Sie bitte eine Augenärztin auf.
Kühle und warme Kompressen richtig anwenden
Kompressen gehören zu den wirksamsten Hausmitteln bei einer Bindehautentzündung – allerdings kommt es auf die richtige Art an:
Kühle Kompressen
Bei Juckreiz, Schwellung und allergischer Konjunktivitis sind kühle Kompressen besonders wohltuend. So gehen Sie vor:
- Nehmen Sie ein sauberes, fusselfreies Tuch (Einmal-Waschlappen oder frisches Baumwolltuch).
- Tränken Sie es mit kaltem, sauberem Wasser und wringen Sie es leicht aus.
- Legen Sie es für fünf bis zehn Minuten auf die geschlossenen Augen.
- Verwenden Sie für jedes Auge ein eigenes Tuch, um eine Übertragung zu vermeiden.
- Waschen Sie verwendete Tücher bei mindestens 60 Grad.
Warme Kompressen
Bei verklebten Lidern und zähem Sekret helfen warme Kompressen, das Sekret aufzuweichen:
- Ein sauberes Tuch mit warmem (nicht heißem) Wasser befeuchten.
- Auf die geschlossenen Augen legen und einige Minuten einwirken lassen.
- Anschließend die Lider vorsichtig von außen nach innen reinigen.

Konsequente Hygiene – die wichtigste Maßnahme
Bei einer ansteckenden Bindehautentzündung (viral oder bakteriell) ist konsequente Hygiene entscheidend, um die Verbreitung zu stoppen:
- Hände waschen: Waschen Sie sich die Hände gründlich mit Seife, jedes Mal nachdem Sie Ihre Augen berührt oder Tropfen angewendet haben.
- Handtücher und Kissenbezüge täglich wechseln und nicht mit anderen Haushaltsmitgliedern teilen. Bei 60 Grad waschen.
- Nicht ins Auge fassen: Vermeiden Sie es, die Augen zu reiben oder zu berühren, auch wenn es juckt.
- Kosmetik pausieren: Verwenden Sie kein Augen-Make-up, bis die Entzündung vollständig abgeklungen ist. Mascara, Eyeliner und Lidschatten aus der Krankheitszeit entsorgen, da sie kontaminiert sein können.
- Kontaktlinsen pausieren: Steigen Sie auf eine Brille um. Weiche Kontaktlinsen, die Sie während der Infektion getragen haben, sollten Sie nicht wiederverwenden.
Was Sie NICHT ins Auge geben sollten
Viele traditionelle Hausmittel schaden mehr, als sie helfen:
- Kamillentee: Kamille enthält Allergene und kann selbst allergische Reaktionen auslösen. Ungefilterte Pflanzenpartikel reizen das entzündete Auge zusätzlich. Auch als Umschlag ist Kamille nicht empfehlenswert.
- Augentrost (Euphrasia): In der Volksmedizin beliebt, aber die Studienlage ist dünn. Selbst zubereitete Augentrost-Aufgüsse sind nicht steril und können Keime ins Auge bringen. Fertige, sterile Euphrasia-Augentropfen aus der Apotheke sind unbedenklicher, aber ihre Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt.
- Muttermilch: Ein verbreiteter Tipp bei Babys, aber nicht durch Studien gestützt und potenziell eine Infektionsquelle.
- Selbst gemischte Salzlösungen: Nicht steril und in der falschen Konzentration zusätzlich reizend. Verwenden Sie stattdessen sterile Kochsalzlösung aus der Apotheke, wenn Sie das Auge spülen möchten.
Befeuchtende Tropfen als sinnvolle Ergänzung
Rezeptfreie, befeuchtende Augentropfen (z. B. mit Hyaluronsäure) sind bei einer Bindehautentzündung eine sinnvolle Begleitmaßnahme. Sie lindern das Fremdkörpergefühl, spülen sanft Sekret aus und halten die Augenoberfläche feucht. Achten Sie auf Tropfen ohne Konservierungsmittel, da Konservierungsstoffe das ohnehin gereizte Auge zusätzlich belasten können.
Im Alltag mit der Entzündung umgehen
- Bildschirmzeit reduzieren: Langes Arbeiten am Monitor trocknet die Augen zusätzlich aus und verstärkt das Brennen. Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßige Pausen. Tipps dazu finden Sie unter Bildschirmarbeit und trockene Augen.
- Sonnenlicht meiden: Tragen Sie bei Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille im Freien.
- Ausreichend schlafen: Ruhe und Schlaf unterstützen die Heilung.
- Kinder betreuen: Bei Kindern in Kita oder Schule gelten oft Karenzzeiten. Informieren Sie die Einrichtung und halten Sie die Wiederzulassungsregeln ein.
Wie lange dauert eine virale Bindehautentzündung?
Eine virale Konjunktivitis – die häufigste Form – dauert in der Regel ein bis drei Wochen. Die Beschwerden verschlimmern sich oft in den ersten vier bis sieben Tagen, bevor eine langsame Besserung einsetzt. In dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. Hausmittel können die Symptome lindern, verkürzen die Erkrankungsdauer aber nicht wesentlich.
Wann Hausmittel nicht mehr reichen
Suchen Sie eine Augenärztin auf bei:
- Eitrigem, gelblich-grünem Sekret (Hinweis auf bakterielle Infektion)
- Starken Schmerzen oder Sehverschlechterung
- Lichtscheu oder verschwommenem Sehen
- Beschwerden, die sich nach drei bis vier Tagen nicht bessern
- Betroffenen Babys, Kleinkindern oder Schwangeren
- Kontaktlinsenträgern
Welche Tropfen bei einer bakteriellen oder allergischen Bindehautentzündung infrage kommen, lesen Sie im Ratgeber Augentropfen bei Bindehautentzündung.
Häufige Fragen: Bindehautentzündung: Hausmittel zur begleitenden Linderung
Hilft Kamillentee gegen Bindehautentzündung?
Von Umschlägen mit Kamillentee wird eher abgeraten: Kamille kann selbst allergische Reaktionen auslösen, und ungefilterte Pflanzenpartikel reizen das entzündete Auge zusätzlich. Sauberes, kühles Wasser auf einem frischen Tuch ist die sicherere Wahl.
Welche Hausmittel sind sinnvoll?
Kühle, saubere Kompressen lindern Schwellung und Reizung. Konsequente Handhygiene, frische Handtücher und Ruhe für die Augen unterstützen die Heilung. Bei bakterieller Infektion ersetzen Hausmittel aber keine ärztliche Behandlung.
Sollte man bei einer Bindehautentzündung zu Hause bleiben?
Bei einer viralen oder bakteriellen Bindehautentzündung ist es ratsam, in den ersten Tagen zu Hause zu bleiben, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Virale Konjunktivitis ist in der ersten Woche besonders ansteckend. Kehren Sie erst zurück, wenn kein Sekret mehr austritt und die Rötung deutlich abgeklungen ist. Bei Kindern gelten in Kita und Schule oft verbindliche Karenzzeiten.