Ratgeber

Augentropfen bei trockenen Augen richtig anwenden

Von Redaktion Augentropfen.net · Aktualisiert am

Nahaufnahme eines Auges – ein gesunder Tränenfilm ist die Basis für beschwerdefreies Sehen

Augentropfen wirken nur dann zuverlässig, wenn sie richtig ins Auge gelangen und hygienisch angewendet werden. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie es geht — und wie Sie das passende Präparat für Ihre Situation finden.

Schritt für Schritt richtig eintropfen

  1. Hände waschen. Gründlich mit Seife — so gelangen keine Keime ans Auge.
  2. Kopf in den Nacken legen oder sich hinlegen und nach oben blicken.
  3. Unterlid sanft herunterziehen, sodass eine kleine Tasche entsteht.
  4. Einen Tropfen in den Bindehautsack geben — nicht direkt auf die Pupille. Die Spitze der Flasche dabei nicht mit Auge, Wimpern oder Fingern berühren.
  5. Augen kurz schließen und einige Sekunden ruhen lassen, damit sich der Tropfen verteilt. Nicht fest zukneifen.
  6. Überschüssige Flüssigkeit vorsichtig mit einem sauberen Tuch abtupfen.

Tropft es zunächst daneben, ist das kein Grund zur Sorge — mit etwas Übung wird es leichter. Ein zweiter Tropfen ist meist überflüssig, weil das Auge nur eine begrenzte Menge aufnimmt.

Das passende Präparat finden

Für die reine Befeuchtung haben sich Tropfen mit Hyaluronsäure etabliert. Hyaluronsäure ist ein körpereigenes Molekül, das ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser binden kann und einen stabilen, langanhaltenden Feuchtigkeitsfilm auf dem Auge bildet.

Konzentration und Viskosität

Die Konzentration der Hyaluronsäure bestimmt, wie dünn- oder zähflüssig die Lösung ist und wie lange sie auf dem Auge bleibt:

  • 0,1—0,2 %: Dünnflüssig, angenehm im Alltag, gut für leichte bis mäßige Trockenheit. Die Sicht bleibt sofort klar, die Tropfen müssen aber häufiger nachgetropft werden.
  • 0,3—0,4 %: Zähflüssiger, haftet länger auf der Augenoberfläche und ist bei stärkerer Trockenheit sinnvoll. Direkt nach dem Tropfen kann der Blick kurz verschwimmen — das legt sich nach wenigen Sekunden.

Andere bewährte Wirkstoffe sind Trehalose (schützt die Zellen der Augenoberfläche), Dexpanthenol (fördert die Heilung gereizter Bindehaut) und Ectoin (stabilisiert den Tränenfilm auf natürliche Weise).

Frau am Computerbildschirm – Bildschirmarbeit ist eine der häufigsten Ursachen für trockene Augen

Einzeldosen vs. Mehrdosenbehälter

  • Einzeldosen (EDO): Steril und ohne Konservierungsmittel. Ideal für die gelegentliche Anwendung oder unterwegs. Reste nach der Anwendung verwerfen.
  • Mehrdosenbehälter mit COMOD-System: Konservierungsmittelfrei dank Silberrohr-Technologie, nach Anbruch bis zu sechs Monate haltbar. Praktisch für die tägliche Anwendung. Der Pumpmechanismus erleichtert die Dosierung.
  • Konservierte Mehrdosenbehälter: Günstiger, aber bei häufiger Anwendung (mehr als viermal täglich) können Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid die ohnehin gereizte Augenoberfläche zusätzlich belasten.

Wer dauerhaft mehrmals täglich tropft, sollte möglichst auf konservierungsmittelfreie Augentropfen umsteigen.

Wann ist Augengel die bessere Wahl?

Augengele sind noch viskoser als hochkonzentrierte Tropfen und bilden einen besonders langanhaltenden Schutzfilm. Sie eignen sich vor allem:

  • Nachts: als letzte Anwendung vor dem Schlafengehen, um ein Austrocknen über Nacht zu verhindern.
  • Bei stark trockenen Augen, die mit Tropfen allein nicht ausreichend feucht bleiben.
  • In klimatisierten oder beheizten Räumen, in denen der Tränenfilm besonders schnell verdunstet.

Gele trüben die Sicht vorübergehend stärker als Tropfen. Für die Anwendung tagsüber, etwa am Arbeitsplatz, sind dünnflüssigere Tropfen daher meist komfortabler.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

  • Anbruchdatum notieren — am besten direkt auf der Flasche.
  • Konservierungsmittelfreie Tropfen im COMOD-System halten nach Anbruch in der Regel sechs Monate. Konservierte Tropfen in Quetschflaschen sind nach Anbruch je nach Herstellerangabe vier bis sechs Wochen verwendbar.
  • Einzeldosen am selben Tag verbrauchen und nicht wiederverwenden.
  • Augentropfen nicht in praller Sonne oder im aufgeheizten Auto lagern. Manche Tropfen müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden — die Packungsbeilage gibt Auskunft.

Trockene Augen und Bildschirmarbeit

Wer täglich mehrere Stunden am Bildschirm arbeitet, blinzelt deutlich seltener — statt 15- bis 20-mal pro Minute oft nur fünf- bis siebenmal. Der Tränenfilm reißt dadurch schneller auf und das Auge trocknet aus. Befeuchtende Augentropfen gleichen das aus, lösen aber nicht die Ursache. Regelmäßige Bildschirmpausen nach der 20-20-20-Regel (alle 20 Minuten 20 Sekunden auf etwas in 20 Fuß Entfernung schauen) und bewusstes Blinzeln helfen ergänzend. Weitere Tipps dazu im Ratgeber Bildschirmarbeit und trockene Augen.

Kontaktlinsen und trockene Augen

Kontaktlinsen sitzen auf dem Tränenfilm und können ihn destabilisieren. Viele Befeuchtungstropfen sind vom Hersteller ausdrücklich als linsenverträglich gekennzeichnet und dürfen mit eingesetzten Linsen getropft werden. Steht das nicht auf der Packung, nehmen Sie die Linsen vor dem Tropfen heraus und setzen Sie sie nach etwa 15 Minuten wieder ein. Mehr dazu im Ratgeber Augentropfen und Kontaktlinsen.

Langfristige Anwendung

Befeuchtende Augentropfen ohne Konservierungsmittel können grundsätzlich über einen längeren Zeitraum angewendet werden — sie ersetzen lediglich fehlende Tränenflüssigkeit. Dennoch gilt: Wenn Sie über Wochen täglich mehrfach tropfen müssen, sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen. Trockene Augen können auf behandelbare Grunderkrankungen hinweisen, etwa eine Liddrüsenfunktionsstörung (Meibom-Drüsen-Dysfunktion), hormonelle Veränderungen oder Medikamentennebenwirkungen.

Häufige Fehler vermeiden

  • Flaschenspitze berührt das Auge: Das verkeimt die Lösung. Immer mit Abstand tropfen.
  • Zu viele Tropfen: bringt keinen Zusatznutzen, sondern läuft nur über.
  • Abgelaufene oder zu lange offene Flaschen: nach Anbruch begrenzt haltbar — rechtzeitig ersetzen.
  • Dauerhaft konservierungsmittelhaltige Tropfen: bei häufiger Anwendung können sie die Augenoberfläche zusätzlich reizen und die Symptome verschlechtern statt verbessern.
  • Nur symptomatisch tropfen, ohne Ursache zu klären: Trockene Augen können ein Zeichen für eine behandelbare Grunderkrankung sein.

Wann zum Arzt?

Halten die Beschwerden trotz korrekter Anwendung an, verstärken sie sich oder kommen Schmerzen, Sehverschlechterung oder starke Rötung hinzu, sollten Sie eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen. Augentropfen behandeln das Symptom — die Ursache dauerhaft trockener Augen sollte fachlich geklärt werden. Insbesondere bei Verdacht auf eine Liddrüsenfunktionsstörung gibt es heute gezielte Therapien, die über das reine Tropfen hinausgehen.

FAQ

Häufige Fragen: Augentropfen bei trockenen Augen richtig anwenden

Wie viele Tropfen pro Auge sind richtig?

In der Regel genügt ein Tropfen pro Auge. Das Auge kann ohnehin nur eine begrenzte Menge aufnehmen – mehr läuft einfach über. Bei Bedarf können Sie die Anwendung nach einigen Minuten wiederholen. Halten Sie sich an die Angaben in der Packungsbeilage.

Darf man Augentropfen mit Kontaktlinsen anwenden?

Viele Befeuchtungstropfen sind laut Hersteller für Kontaktlinsen geeignet und dürfen mit eingesetzten Linsen getropft werden. Steht das nicht ausdrücklich auf der Packung, nehmen Sie die Linsen vor dem Tropfen heraus und setzen sie nach etwa 15 Minuten wieder ein.

Wie lange sind geöffnete Augentropfen haltbar?

Konservierungsmittelfreie Tropfen im Mehrdosenbehälter sind nach dem Anbruch meist rund sechs Monate verwendbar, Einzeldosen nur für kurze Zeit. Notieren Sie das Anbruchdatum auf der Flasche und beachten Sie die Herstellerangabe.