Ratgeber

Augentropfen bei Bindehautentzündung: Arten und Anwendung

Von Redaktion Augentropfen.net · Aktualisiert am

Nahaufnahme eines Auges – bei einer Bindehautentzündung ist die Bindehaut gerötet und gereizt

Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist die häufigste Augenentzündung überhaupt. Rötung, Brennen, Fremdkörpergefühl und Sekretbildung sind typische Beschwerden. Weil die Ursachen sehr verschieden sind, unterscheidet sich auch die passende Behandlung deutlich. Dieser Ratgeber hilft Ihnen, die drei Hauptformen zu unterscheiden und zu verstehen, welche Augentropfen jeweils sinnvoll sind.

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken Beschwerden oder Unsicherheit suchen Sie bitte eine Augenärztin auf.

Drei Formen unterscheiden

Die korrekte Zuordnung ist entscheidend, denn eine falsche Behandlung verzögert die Heilung oder verschlimmert die Beschwerden.

Frau liegt im Bett und hält sich den Kopf – eine Bindehautentzündung kann mit allgemeinem Krankheitsgefühl einhergehen

Virale Bindehautentzündung

Die virale Form tritt häufig im Rahmen einer Erkältung auf und wird meist durch Adenoviren ausgelöst. Typisch sind wässriges, klares Sekret, geschwollene Lymphknoten vor dem Ohr und ein Fremdkörpergefühl. Sie beginnt oft einseitig und greift dann auf das zweite Auge über. Eine virale Konjunktivitis ist in den ersten sieben bis vierzehn Tagen hochansteckend und heilt in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst aus. Antibiotische Tropfen sind hier wirkungslos – befeuchtende Augentropfen lindern die Beschwerden.

Bakterielle Bindehautentzündung

Eitriges, gelblich-grünliches Sekret und morgens verklebte Lider deuten auf eine bakterielle Ursache hin. Häufige Erreger sind Staphylokokken, Streptokokken und Haemophilus influenzae. Diese Form wird mit antibiotischen Augentropfen behandelt, die verschreibungspflichtig sind. Unter Behandlung bessern sich die Symptome meist innerhalb von drei bis fünf Tagen. Ohne Therapie kann eine bakterielle Bindehautentzündung deutlich länger dauern und in seltenen Fällen die Hornhaut in Mitleidenschaft ziehen.

Allergische Bindehautentzündung

Starker Juckreiz, beidseitige Rötung und klares, wässriges Sekret sind die Leitsymptome. Häufig tritt sie saisonal (Pollenallergie) oder ganzjährig (Hausstaubmilben, Tierhaare) auf. Hier helfen antiallergische Tropfen mit Wirkstoffen wie Azelastin oder Cromoglicinsäure. Kühle Kompressen können den Juckreiz zusätzlich lindern.

Welche Augentropfen bei welcher Form?

FormTropfenartRezeptpflicht
ViralBefeuchtende Tropfen (z. B. Hyaluron)Nein
BakteriellAntibiotische Tropfen (z. B. Ofloxacin)Ja
AllergischAntihistaminika-TropfenMeist nein

Bei allen drei Formen können befeuchtende Tropfen begleitend eingesetzt werden, um das Fremdkörpergefühl zu lindern. Tropfen ohne Konservierungsmittel sind dabei besonders schonend für die ohnehin gereizte Bindehaut.

Was Sie selbst tun können

Unabhängig von der Ursache helfen folgende Maßnahmen:

  • Hygiene: Hände häufig waschen, Handtücher und Kissenbezüge täglich wechseln und nicht mit anderen teilen.
  • Verklebte Lider morgens vorsichtig mit lauwarmem Wasser und einem frischen Tuch reinigen – immer von außen nach innen wischen.
  • Kühle Kompressen lindern Schwellung und Juckreiz. Für jedes Auge ein eigenes, sauberes Tuch verwenden.
  • Kontaktlinsen pausieren, bis die Entzündung vollständig abgeklungen ist.
  • Augen nicht reiben, auch wenn es juckt – das verschlimmert die Reizung und verbreitet Erreger.
  • Bildschirmzeit reduzieren, um die Augen nicht zusätzlich zu belasten.

Weitere Hausmittel zur begleitenden Linderung finden Sie im Ratgeber Bindehautentzündung: Hausmittel.

Kinder und Bindehautentzündung

Bei Babys und Kleinkindern ist eine Bindehautentzündung immer ein Grund für den Arztbesuch. Die Symptome können auf eine Tränengangverengung, eine bakterielle Infektion oder seltener auf eine ernstere Erkrankung hinweisen. In Kita und Schule gelten häufig Vorgaben zur Wiederzulassung: Ein Kind darf in der Regel erst zurück, wenn kein Sekret mehr austritt und die Rötung deutlich abgeklungen ist. Bei bakterieller Konjunktivitis wird oft eine Karenzzeit von 24 Stunden nach Beginn der antibiotischen Behandlung empfohlen.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie zeitnah eine Augenärztin auf bei:

  • Eitrigem Sekret oder starker, einseitiger Rötung
  • Schmerzen, Sehverschlechterung oder Lichtscheu
  • Beschwerden, die nach drei bis vier Tagen nicht besser werden
  • Babys, Kleinkindern oder Schwangeren
  • Kontaktlinsenträgern – hier besteht ein erhöhtes Risiko für Hornhautkomplikationen

Antibiotische Tropfen gibt es nur auf Rezept, und auch die Unterscheidung zwischen den drei Formen gelingt am sichersten durch die ärztliche Untersuchung.

FAQ

Häufige Fragen: Augentropfen bei Bindehautentzündung: Arten und Anwendung

Braucht jede Bindehautentzündung Antibiotika?

Nein. Virale und allergische Bindehautentzündungen sprechen nicht auf Antibiotika an – hier helfen befeuchtende bzw. antiallergische Tropfen und Geduld. Nur bakterielle Formen werden mit antibiotischen, verschreibungspflichtigen Tropfen behandelt. Die Unterscheidung trifft die Ärztin.

Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?

Virale und bakterielle Formen können ansteckend sein. Waschen Sie sich häufig die Hände, teilen Sie keine Handtücher und fassen Sie sich nicht ins Auge. Allergische Bindehautentzündung ist nicht ansteckend.

Wie lange dauert eine Bindehautentzündung und wann darf man zurück zur Arbeit?

Die Dauer hängt von der Ursache ab. Virale Formen dauern meist ein bis drei Wochen und sind besonders in den ersten Tagen hochansteckend. Bakterielle Bindehautentzündungen bessern sich unter Antibiotika oft innerhalb weniger Tage. Grundsätzlich sollten Sie erst zurückkehren, wenn kein Sekret mehr austritt und die Rötung deutlich abgeklungen ist – bei Kindern gelten oft strengere Regeln.