Schilddrüsenüberfunktion: Symptome an den Augen erkennen
Die Schilddrüse steuert viele Körperfunktionen — und eine Überfunktion kann sich auch an den Augen zeigen. Besonders bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow ist die Augenbeteiligung bekannt und gefürchtet. Medizinisch wird sie als endokrine Orbitopathie (EO) bezeichnet.
Wie es zur Augenbeteiligung kommt
Bei Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper gegen den TSH-Rezeptor der Schilddrüse. Diese Antikörper (TRAK) regen die Schilddrüse zur Überproduktion an — greifen aber auch Gewebe in der Augenhöhle an. Die Folge: Die Augenmuskeln und das Fettgewebe hinter dem Auge entzünden sich und schwellen an. Da die knöcherne Augenhöhle nicht nachgeben kann, werden die Augäpfel nach vorn gedrückt.
Etwa 25 bis 50 Prozent der Morbus-Basedow-Betroffenen entwickeln eine klinisch relevante Augenbeteiligung. Wichtig zu wissen: Die Augensymptome können der Schilddrüsendiagnose vorausgehen, gleichzeitig auftreten oder erst Monate danach erscheinen. Rauchen ist der stärkste vermeidbare Risikofaktor für eine schwere Augenbeteiligung.
Mögliche Augensymptome

- Hervortretende Augen (Exophthalmus) und ein Druckgefühl hinter dem Auge
- Trockene, gereizte oder tränende Augen — durch den unvollständigen Lidschluss verdunstet der Tränenfilm schneller
- Lichtempfindlichkeit und Fremdkörpergefühl
- Lidschwellung, besonders morgens, seltener zurückgezogene Oberlider (Lidretraktion), die ein starres, erschrockenes Aussehen verursachen
- Schmerzen und Druckgefühl, vor allem bei Augenbewegung
- in ausgeprägten Fällen Doppelbilder durch geschwollene, fibrosierte Augenmuskeln
- selten Sehverschlechterung durch Druck auf den Sehnerv (Kompressionsoptikusneuropathie) — ein Notfall
Stadien der endokrinen Orbitopathie
Die Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen. In der aktiven Entzündungsphase (meist 6 bis 24 Monate) nehmen Schwellung, Rötung und Beschwerden zu. Danach geht die Erkrankung in eine inaktive Fibrosephase über, in der die Entzündung abklingt, aber Narbenveränderungen zurückbleiben können. Zur Einschätzung der Aktivität nutzen Augenärzte den CAS-Score (Clinical Activity Score) — er bestimmt, ob eine entzündungshemmende Therapie sinnvoll ist.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach dem Stadium und dem Schweregrad:
- Schilddrüsenwerte stabilisieren: Grundvoraussetzung jeder Behandlung. Sowohl Über- als auch Unterfunktion verschlechtern die Augensymptome.
- Rauchstopp: Rauchen verschlechtert die Prognose der Augenbeteiligung erheblich.
- Befeuchtende Augentropfen: lindern die begleitende Trockenheit und Reizung, etwa Hyaluron-Präparate, wie im Ratgeber Augentropfen bei trockenen Augen beschrieben.
- Selen-Supplementierung: Studien zeigen, dass Selen (200 Mikrogramm täglich über sechs Monate) in der milden, aktiven Phase den Verlauf günstig beeinflussen kann — sprechen Sie die Einnahme mit Ihrer Ärztin ab.
- Hochdosierte Kortikosteroide (intravenös): bei moderater bis schwerer aktiver Entzündung zur Eindämmung der Immunreaktion.
- Orbitabestrahlung: kann in Kombination mit Steroiden bei aktiver Entzündung eingesetzt werden.
- Operative Eingriffe: Bei ausgeprägtem Exophthalmus kommt eine Orbitadekompression infrage; bei Doppelbildern eine Schieloperation; bei Lidretraktion eine Lidkorrektur. Diese Eingriffe erfolgen in der Regel erst in der inaktiven Phase.
Warum interdisziplinäre Betreuung zählt
Eine endokrine Orbitopathie betrifft mehrere Fachrichtungen. Im Idealfall arbeiten Endokrinologie (Schilddrüseneinstellung), Augenheilkunde (Augensymptome und Komplikationen) und Hausärztin (Koordination, allgemeine Betreuung) zusammen. Spezialisierte Zentren bieten interdisziplinäre Sprechstunden an. Je früher die Augenbeteiligung erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen — und desto geringer ist die Belastung der Lebensqualität.
Begleitende Linderung im Alltag
- Befeuchtende Augentropfen tagsüber, Augensalbe oder -gel zur Nacht bei unvollständigem Lidschluss
- Kopfende des Bettes leicht erhöhen, um morgendliche Lidschwellung zu reduzieren
- Sonnenbrille bei Lichtempfindlichkeit und Wind
- Bei Doppelbildern: Prismenbrille als Übergangslösung
Bei hervortretenden Augen, Doppelbildern, Sehverschlechterung oder rascher Verschlechterung ist zügige augenärztliche Hilfe wichtig.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Augenbeschwerden im Zusammenhang mit der Schilddrüse sollten fachärztlich betreut werden.
Häufige Fragen: Schilddrüsenüberfunktion: Symptome an den Augen erkennen
Welche Augensymptome deuten auf die Schilddrüse hin?
Möglich sind hervortretende Augen, ein Druck- oder Fremdkörpergefühl, trockene oder tränende Augen, Lichtempfindlichkeit, Lidschwellung und – in ausgeprägten Fällen – Doppelbilder. Solche Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.
Können Augentropfen die Beschwerden lindern?
Befeuchtende Augentropfen können begleitend gegen Trockenheit und Reizung helfen. Die eigentliche Ursache – die Schilddrüsen- bzw. Augenerkrankung – gehört jedoch in ärztliche Behandlung. Augentropfen ersetzen diese nicht.
Gehen die Augenveränderungen wieder zurück?
In vielen Fällen bessern sich die Augensymptome, wenn die Schilddrüsenwerte gut eingestellt sind und die aktive Entzündungsphase abklingt. Narbenveränderungen an der Augenmuskulatur oder dem Fettgewebe der Augenhöhle können jedoch bestehen bleiben. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine weitgehende Rückbildung.