Ratgeber

Augentropfen in der Schwangerschaft: Was erlaubt ist und was nicht

Von Redaktion Augentropfen.net · Aktualisiert am

Frau pflegt ihre Haut -- in der Schwangerschaft verändert sich auch der Tränenfilm

In der Schwangerschaft verändert sich der Körper auf vielfältige Weise — auch die Augen bleiben davon nicht verschont. Viele Schwangere bemerken trockene, gereizte Augen, die vorher kein Problem waren. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Welche Augentropfen darf ich jetzt überhaupt verwenden?

Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie die Anwendung von Augentropfen in der Schwangerschaft immer mit Ihrer Frauenärztin oder Augenärztin.

Warum die Augen in der Schwangerschaft trockener werden

Während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt grundlegend. Östrogen und Progesteron beeinflussen unter anderem die Zusammensetzung des Tränenfilms und die Funktion der Meibom-Drüsen, die die schützende Fettschicht auf dem Auge produzieren. Die Folge: Der Tränenfilm wird instabiler, verdunstet schneller und das Auge fühlt sich trocken an.

Dieser Mechanismus ähnelt dem, was viele Frauen auch in den Wechseljahren erleben. Zusätzlich kann eine Schwangerschaft die Wassereinlagerungen im Körper verändern, was sich auf die Hornhautkrümmung auswirkt und vorübergehend zu leicht unscharfem Sehen führen kann.

Frau mit müden Augen -- hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft können den Tränenfilm beeinträchtigen

Welche Tropfen als sicher gelten

Befeuchtende Augentropfen mit Hyaluronsäure (Natriumhyaluronat) sind Medizinprodukte. Sie wirken rein physikalisch auf der Augenoberfläche, binden Feuchtigkeit und werden nicht in den Blutkreislauf aufgenommen. Nach aktuellem Wissensstand spricht nichts gegen ihre Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit. Dabei sollten Sie auf konservierungsmittelfreie Produkte achten, um die ohnehin empfindliche Augenoberfläche nicht zusätzlich zu belasten.

Auch Tropfen auf Basis von Cellulose-Derivaten oder Carbomer-Gelen gelten als unbedenklich, da auch sie rein physikalisch wirken. Einen Überblick über die verschiedenen Befeuchtungsmittel finden Sie im Ratgeber Augentropfen bei trockenen Augen.

Welche Tropfen Sie meiden sollten

Bei Arzneimittel-Augentropfen ist Vorsicht geboten. Auch wenn Augentropfen lokal am Auge angewendet werden, können Wirkstoffe in geringen Mengen in den Blutkreislauf gelangen. Folgende Gruppen sollten in der Schwangerschaft nicht ohne ärztliche Rücksprache angewendet werden:

  • Gefäßverengende Tropfen (Sympathomimetika gegen rote Augen): Wirkstoffe wie Tetryzolin können den Blutdruck beeinflussen.
  • Antihistaminika-Augentropfen: Für viele Wirkstoffe liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft vor.
  • Kortisonhaltige Augentropfen: Nur auf ausdrückliche ärztliche Anordnung.
  • Antibiotika-Augentropfen: Ebenfalls nur nach ärztlicher Verordnung; einige Wirkstoffe sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, andere gelten als vertretbar.

Im Zweifel gilt: Packungsbeilage lesen und vor der Anwendung die Ärztin fragen.

Kontaktlinsen in der Schwangerschaft

Viele Schwangere bemerken, dass ihre Kontaktlinsen plötzlich weniger komfortabel sitzen. Der veränderte Tränenfilm und mögliche Veränderungen der Hornhautkrümmung können dafür verantwortlich sein. Konservierungsmittelfreie Nachbenetzungstropfen können den Tragekomfort verbessern. Wenn die Linsen trotzdem unangenehm sind oder die Sehschärfe schwankt, ist ein vorübergehender Wechsel zur Brille die unkomplizierteste Lösung. Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber Augentropfen und Kontaktlinsen.

Gesundes Auge -- befeuchtende Tropfen ohne Konservierungsmittel sind in der Schwangerschaft eine sichere Wahl

Praktische Tipps

  • Bei Bildschirmarbeit bewusst blinzeln und regelmäßig Pausen einlegen.
  • Ausreichend trinken — in der Schwangerschaft ohnehin besonders wichtig.
  • Trockene Raumluft vermeiden; ein feuchtes Tuch auf der Heizung oder ein Luftbefeuchter können helfen.
  • Keine Augentropfen auf eigene Faust verwenden, die als Arzneimittel eingestuft sind.

Wann zum Arzt?

Leichte Trockenheit in der Schwangerschaft lässt sich meist gut mit konservierungsmittelfreien Befeuchtungstropfen behandeln. Suchen Sie eine Augenärztin auf, wenn die Beschwerden sich trotz Befeuchtung verschlechtern, wenn Schmerzen, starke Rötung oder eitriges Sekret auftreten oder wenn Sie eine deutliche und anhaltende Sehverschlechterung bemerken. Auch vor der Anwendung jedes verschreibungspflichtigen Augenpräparats sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

FAQ

Häufige Fragen: Augentropfen in der Schwangerschaft: Was erlaubt ist und was nicht

Sind Augentropfen mit Hyaluronsäure in der Schwangerschaft sicher?

Befeuchtende Augentropfen mit Hyaluronsäure (Natriumhyaluronat) gelten als Medizinprodukte und wirken rein physikalisch auf der Augenoberfläche. Sie enthalten keine Wirkstoffe, die in den Blutkreislauf gelangen. Nach aktuellem Kenntnisstand spricht nichts gegen ihre Anwendung in der Schwangerschaft. Fragen Sie im Zweifel Ihre Ärztin.

Kann eine Schwangerschaft verschwommenes Sehen verursachen?

Ja, hormonelle Veränderungen koennen die Zusammensetzung des Tränenfilms und die Form der Hornhaut leicht verändern. Das kann vorübergehend zu unscharfem Sehen fuehren. In den meisten Fällen normalisiert sich das nach der Entbindung. Halten die Beschwerden an oder verschlechtern sie sich, sollten Sie eine Augenärztin aufsuchen.

Sollte ich in der Schwangerschaft auf Kontaktlinsen verzichten?

Ein genereller Verzicht ist nicht noetig, aber viele Schwangere berichten ueber schlechteren Tragekomfort durch den veränderten Tränenfilm. Konservierungsmittelfreie Nachbenetzungstropfen koennen helfen. Wenn die Linsen trotzdem unangenehm sitzen oder die Sehschärfe schwankt, ist ein vorübergehender Wechsel zur Brille sinnvoll.