Ratgeber

Augentropfen richtig anwenden: Anleitung Schritt für Schritt

Von Redaktion Augentropfen.net · Aktualisiert am

Medizinisches Fachpersonal – ärztliche Beratung zur richtigen Augentropfen-Anwendung

Augentropfen wirken nur, wenn sie ins Auge gelangen und die Anwendung hygienisch ist. Klingt einfach, ist es in der Praxis aber nicht immer: Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Anwender die Tropfen nicht korrekt einsetzt. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt durch die richtige Technik — unabhängig davon, ob Sie befeuchtende, antiallergische oder ärztlich verordnete Tropfen verwenden.

Vor der Anwendung

  • Hände gründlich waschen — mit Seife, mindestens 20 Sekunden. So gelangen keine Keime ans Auge oder an die Flaschenspitze.
  • Haltbarkeit prüfen: Anbruchdatum auf der Flasche kontrollieren, Verfallsdatum auf der Packung. Abgelaufene Tropfen können verkeimen und gehören entsorgt.
  • Kontaktlinsen herausnehmen, sofern der Hersteller die Anwendung mit Linsen nicht ausdrücklich erlaubt. Warten Sie nach dem Tropfen mindestens 15 Minuten, bevor Sie die Linsen wieder einsetzen. Mehr dazu im Ratgeber Augentropfen und Kontaktlinsen.

Schritt für Schritt

  1. Kopf in den Nacken legen oder hinlegen und nach oben blicken.
  2. Unterlid mit einem sauberen Finger sanft herunterziehen, sodass eine kleine Tasche entsteht (der sogenannte Bindehautsack).
  3. Einen Tropfen hineingeben — dabei die Flaschenspitze nicht ans Auge, an Wimpern oder Finger halten. Ein Abstand von etwa ein bis zwei Zentimetern reicht.
  4. Auge kurz schließen und einige Sekunden ruhen lassen. Nicht zusammenkneifen, denn das presst den Tropfen wieder heraus.
  5. Inneren Augenwinkel leicht mit dem Finger zusammendrücken und etwa eine Minute halten. Das verringert, dass der Wirkstoff über den Tränenkanal in den Rachen abfließt — besonders wichtig bei verschreibungspflichtigen Tropfen.
  6. Überschüssige Flüssigkeit mit einem sauberen Tuch abtupfen.

Ein Tropfen pro Auge genügt: Das Auge nimmt ohnehin nur etwa 10 Mikroliter auf, ein Tropfen liefert aber 30 bis 50. Alles darüber läuft über oder fließt in den Tränenkanal ab.

Frau mit Brille – Kontaktlinsenträger nehmen Linsen vor dem Tropfen heraus

Verschiedene Behältertypen

Nicht jede Flasche funktioniert gleich. Die Unterschiede zu kennen hilft, Fehler zu vermeiden:

COMOD-System (z. B. Hylo-Behälter)

Ein Pumpmechanismus gibt bei jedem Stoß einen gleichmäßig großen Tropfen ab. Sie müssen die Flasche nicht zusammendrücken. Das macht das System besonders handlich für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik. Die Lösung bleibt durch ein Silberrohr im Inneren auch ohne Konservierungsmittel bis zu sechs Monate nach Anbruch keimfrei.

Einzeldosis-Ophtiolen (EDO)

Kleine Kunststoffampullen mit einer Portion für ein oder zwei Anwendungen. Sie sind grundsätzlich steril und kommen ohne Konservierungsmittel aus. In der Handhabung erfordern sie etwas Geschick: Das Abdrehen der Spitze und das Dosieren aus der weichen Ampulle fallen nicht jedem leicht.

Klassische Quetschflasche

Günstig und weit verbreitet. Die Tropfengröße hängt davon ab, wie stark Sie drücken — Übung macht hier den Unterschied. Konservierte Lösungen in Quetschflaschen sollten nach Anbruch innerhalb der Herstellerfrist (meist vier bis sechs Wochen) verbraucht werden.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

  • Anbruchdatum notieren — am besten direkt auf der Flasche.
  • Kühl, aber nicht eiskalt: Manche Tropfen müssen im Kühlschrank gelagert werden (Packungsbeilage beachten). Die meisten Befeuchtungstropfen sind bei Raumtemperatur in Ordnung.
  • Konservierungsmittelfreie Mehrdosenbehälter (z. B. COMOD) halten nach Anbruch meist sechs Monate. Konservierte Tropfen in Quetschflaschen je nach Hersteller vier bis sechs Wochen. Einzeldosen nur am selben Tag verwenden und Reste verwerfen.

Mehr zu den Vorteilen konservierungsmittelfreier Tropfen erfahren Sie im Ratgeber Augentropfen ohne Konservierungsmittel.

Mehrere Präparate gleichzeitig

Wer verschiedene Augentropfen anwenden muss (z. B. antiallergische Tropfen und Befeuchtung), sollte mindestens fünf bis zehn Minuten zwischen den Präparaten warten. Sonst spült das zweite den Wirkstoff des ersten aus, bevor er aufgenommen werden kann. Augensalben immer zuletzt anwenden, weil sie einen öligen Film bilden, der weitere Tropfen am Eindringen hindert.

Praktische Tipps

  • Zittrige Hände: Stützen Sie die tropfende Hand mit der anderen ab oder legen Sie sich hin. Im Liegen ist die Anwendung oft deutlich einfacher.
  • Ältere Menschen: Hilfsmittel wie Tropfhilfen (in der Apotheke erhältlich) führen die Flasche über dem Auge und erleichtern das Zielen.
  • Kinder: Im Liegen tropfen, notfalls bei geschlossenem Auge in den inneren Augenwinkel — beim Blinzeln fließt der Tropfen ins Auge.
  • Trockene, zähflüssige Gele lassen den Blick kurz verschwimmen. Wenden Sie sie deshalb am besten abends vor dem Schlafengehen an.
  • Unterwegs: Achten Sie auf saubere Hände. Im Zweifel Desinfektionsgel verwenden, bevor Sie ans Auge fassen.

Häufige Fehler

  • Flaschenspitze berührt das Auge: verkeimt die Lösung und kann die Bindehaut reizen.
  • Zu viele Tropfen: bringt keinen Zusatznutzen, sondern läuft nur über und verschwendet das Präparat.
  • Geöffnete Flaschen zu lange nutzen: Anbruchdatum und Herstellerfrist beachten, abgelaufene Tropfen konsequent ersetzen.
  • Kontaktlinsen nicht herausgenommen: Konservierungsmittel können sich in weichen Linsen einlagern und die Hornhaut schädigen.
  • Auge zusammenkneifen: presst den Tropfen heraus, bevor er wirken kann.

Wann Hilfe aus der Apotheke holen?

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Tropfen richtig anwenden, lassen Sie sich die Technik in der Apotheke zeigen — das ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten. Bei ärztlich verordneten Tropfen (etwa Glaukom-Therapie) ist die korrekte Technik besonders wichtig, weil eine fehlerhafte Anwendung den Therapieerfolg gefährdet.

FAQ

Häufige Fragen: Augentropfen richtig anwenden: Anleitung Schritt für Schritt

Was tun, wenn ich das Auge nicht treffe?

Legen Sie den Kopf in den Nacken, ziehen Sie das Unterlid herunter und blicken Sie beim Tropfen leicht nach oben. Alternativ hilft die Taschen-Methode im Liegen. Läuft ein Tropfen daneben, wiederholen Sie die Anwendung – verschwendet ist nur wenig.

In welcher Reihenfolge bei mehreren Präparaten?

Warten Sie zwischen zwei verschiedenen Augentropfen etwa 5–10 Minuten, damit der erste nicht vom zweiten ausgespült wird. Salben immer zuletzt anwenden, weil sie einen Film bilden.

Welcher Behältertyp ist am einfachsten zu handhaben?

COMOD-Systeme (z. B. Hylo-Behälter) geben per Pumpstoß einen gleichmäßigen Tropfen ab – kein Zusammendrücken nötig. Einzeldosis-Ophtiolen (EDO) sind kompakt und steril, aber fummelig bei eingeschränkter Feinmotorik. Klassische Quetschflaschen sind günstig, erfordern aber etwas Übung.