Ratgeber

Befeuchtende Augentropfen: Arten, Wirkstoffe & Auswahl

Von Redaktion Augentropfen.net · Aktualisiert am

Grünes Auge in Nahaufnahme – befeuchtende Augentropfen ersetzen den natürlichen Tränenfilm

Befeuchtende Augentropfen – oft „künstliche Tränen” genannt – ersetzen fehlende Tränenflüssigkeit und legen einen schützenden Film über das Auge. Sie sind das Mittel der Wahl bei Trockenheit durch Bildschirmarbeit, trockene Luft oder Kontaktlinsen.

Die wichtigsten Typen im Detail

Hyaluronsäure (Natriumhyaluronat)

Hyaluronsäure ist der am weitesten verbreitete Wirkstoff in befeuchtenden Augentropfen. Das Molekül kann ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser binden und bildet einen viskoelastischen Film auf der Augenoberfläche. Dieser Film haftet stabil, ohne die Sicht zu beeinträchtigen, und wird mit jedem Lidschlag gleichmäßig verteilt.

Hyaluron-Tropfen gibt es in verschiedenen Konzentrationen:

  • 0,1–0,15 %: Dünnflüssig, gut für leichte Trockenheit und häufiges Nachtropfen.
  • 0,2 %: Die verbreitetste Konzentration – ein guter Kompromiss aus Haftung und Tragekomfort.
  • 0,3–0,4 %: Gelartig, haften länger und eignen sich für stärkere Trockenheit oder die Nacht.

Cellulose-Derivate (z. B. Hypromellose, Carmellose)

Cellulose-basierte Tropfen gehören zu den ältesten künstlichen Tränen. Sie sind dünnflüssig, preiswert und gut verträglich. Die Wirkdauer ist kürzer als bei Hyaluron, weshalb häufigeres Nachtropfen nötig sein kann. Für leichte, gelegentliche Trockenheit sind sie nach wie vor eine solide Wahl.

Nahaufnahme eines braunen Auges – befeuchtende Tropfen legen einen schützenden Film über die Augenoberfläche

Lipidhaltige Tropfen und Sprays

Verdunsten Ihre Tränen zu schnell – etwa weil die Meibom-Drüsen am Lidrand nicht genug Fett produzieren –, helfen lipidhaltige Präparate. Sie stabilisieren die äußere Fettschicht des Tränenfilms und bremsen so die Verdunstung. Lipidsprays werden bei geschlossenem Auge auf das Lid gesprüht und gelangen über den Lidrand auf den Tränenfilm. Viele Anwender empfinden diese Methode als angenehmer als das Eintropfen.

Gele

Augengele enthalten gelbildende Stoffe wie Carbomer oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure. Sie haften deutlich länger als flüssige Tropfen, trüben aber den Blick vorübergehend. Gele eignen sich bei stärkerer Trockenheit und sind besonders als Nachtpräparat verbreitet. Mehr dazu im Ratgeber Augengel für trockene Augen.

Welcher Typ für wen?

Bei leichter bis mäßiger Trockenheit sind Hyaluron-Tropfen mit 0,1–0,2 % ein guter Start. Reicht das nicht, hilft eine höhere Konzentration oder ein Gel. Verdunsten die Tränen zu schnell (Gefühl von Brennen trotz Tropfen), können lipidhaltige Präparate passen. Wer sich unsicher ist, lässt sich in der Apotheke oder beim Augenarzt beraten.

Ein hilfreicher Anhaltspunkt: Wenn Ihre Tropfen die Beschwerden zwar kurz lindern, die Trockenheit aber nach wenigen Minuten zurückkehrt, liegt das Problem möglicherweise nicht an der Feuchtigkeit, sondern an der Lipidschicht. In diesem Fall lohnt sich der Wechsel zu einem lipidhaltigen Produkt.

EDO-Einzeldosen vs. Mehrdosenbehälter

Konservierungsmittelfreie Tropfen gibt es in zwei Darreichungsformen:

  • Einzeldosen (EDO): Jede Ampulle enthält eine sterile Portion und wird nach Gebrauch entsorgt. Ideal für unterwegs und bei seltener Anwendung. Nachteil: Der Verbrauch an Verpackungsmaterial ist höher, und pro Tropfen sind EDOs meist teurer.
  • Mehrdosenbehälter mit Spezialsystem: Systeme wie COMOD oder ABAK arbeiten mit einem Ventilmechanismus und/oder antibakteriellen Filtern, die den Inhalt ohne chemische Konservierung keimfrei halten. Sie sind auf Dauer wirtschaftlicher und umweltfreundlicher. Nach dem Öffnen sind sie je nach Hersteller 6 bis 12 Monate verwendbar.

Beide Varianten sind bei konservierungsmittelfreien Tropfen gleichermaßen empfehlenswert. Die Wahl hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und dem Anwendungsmuster ab.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Produkt wirkt

Ein passendes Befeuchtungsprodukt sollte die Beschwerden spürbar lindern – das Brennen, Kratzen oder Fremdkörpergefühl lässt nach, und die Augen fühlen sich für eine angemessene Zeit angenehm an. Kehren die Beschwerden bereits nach wenigen Minuten zurück, kann das an einer zu niedrigen Konzentration, einem unpassenden Wirkstofftyp oder einer nicht erkannten Ursache liegen.

Geben Sie einem neuen Produkt mindestens ein bis zwei Wochen regelmäßige Anwendung, bevor Sie es beurteilen. Manche Augenoberflächen brauchen Zeit, sich zu erholen.

Konservierungsmittelfrei bevorzugen

Wer mehrmals täglich tropft, wählt am besten konservierungsmittelfreie Tropfen. Konservierungsstoffe wie Benzalkoniumchlorid können die Hornhaut und Bindehaut bei Dauergebrauch schädigen und die Trockenheit paradoxerweise verschlimmern. Das gilt unabhängig vom Wirkstofftyp.

Achten Sie außerdem auf die Eignung für Kontaktlinsen, wenn Sie welche tragen – nicht alle Tropfen sind dafür zugelassen.

Grundlagen zu Ursachen und Wirkung finden Sie im Ratgeber Augentropfen bei trockenen Augen.

FAQ

Häufige Fragen: Befeuchtende Augentropfen: Arten, Wirkstoffe & Auswahl

Was sind künstliche Tränen?

So nennt man befeuchtende Augentropfen, die die natürliche Tränenflüssigkeit ersetzen oder ergänzen. Sie enthalten je nach Produkt Hyaluronsäure, Cellulose-Derivate oder Lipide und lindern das Gefühl von Trockenheit.

Mit oder ohne Konservierungsmittel?

Für die gelegentliche Anwendung sind konservierte Tropfen unkritisch. Wer mehrmals täglich oder dauerhaft tropft, sollte konservierungsmittelfreie Präparate wählen, da Konservierungsstoffe die Augenoberfläche reizen können.

Einzeldosen oder Mehrdosenbehälter – was ist besser?

Beide Systeme haben Vorteile. Einzeldosen (EDO) sind garantiert steril und ideal für unterwegs. Mehrdosenbehälter mit spezieller Technik (z. B. das COMOD-System) halten den Inhalt ebenfalls ohne Konservierungsmittel keimfrei und sind auf Dauer günstiger. Die Wahl ist auch Geschmackssache.